Novalis Hochschulverein

Die Idee

„Lehrjahre sind für den poetischen, akademische Jahre für den philosophischen Jünger. Akademie sollte ein durchaus philosophisches Institut sein: nur eine Fakultät; die ganze Einrichtung zur Erregung und zweckmäßigen Übung der Denkkraft organisiert. - Lehrjahre im vorzüglichsten Sinn sind die Lehrjahre der Kunst zu leben. Durch planmäßig geordnete Versuche lernt man ihre Grundsätze kennen und erhält die Fertigkeit nach ihnen beliebig zu verfahren.“ Novalis, Blütenstaub

In diesem Wort liegt der Keim, die Idee zur Bildungsstätte des Novalis Hochschulverein. Novalis gehört zu denjenigen Dichtern und Denkern der Goethezeit, die ein heute weitgehend verdrängtes Ideal der Hochschulbildung vertreten. Er setzt an bei der propädeutischen Übung der Denkkraft und erstreckt sich in einen enzyklopädischen Umkreis des Wissens über den Menschen und das Weltall bis in die Bereiche der übersinnlichen Erkenntnis, ihrer Methoden und Kriterien. In der Kunst sucht er einen geistigen Gebrauch der künstlerischen Organe zu entwickeln, Freiheit im Umgang mit Stoff und Form und ihren Synthesen im Schaffensprozeß.

Dieses Bildungsideal, das auch bei Goethe, Schiller, Fichte, Jean Paul, Schelling, Herder und Humboldt in modifizierter Form anzutreffen ist und bis zu Nietzsche reicht, tritt in der Geisteswissenschaft Rudolf Steiners und der auf sie gegründeten Waldorfpädagogik in neuer Gestalt auf. Die Entwicklung der Erkenntnis- und Willenskräfte wird dabei der Bildungsanstoß der Hochschulerziehung. Neue Inhalte, die sich in der denkenden Tätigkeit als selbständige ergeben, bilden den Erlebnisgehalt dieser Bewußtseinsverwandlung.

Die Reife zu höherer Bildung sollte im Verständnis Rudolf Steiners in erster Linie die Entwicklung der Erkenntnis- und Freiheitsvermögen betreffen und das Wissen von Mensch und Welt daraus hervorgehen lassen. Universitäten sollten in erster Linie Bildungs- und nicht zugleich Forschungsanstalten sein. Nicht nur eine Übung der Denkkraft, sondern ein Anwendenlernen der „seelischen Beobachtung nach naturwissenschaftlicher Methode“ fordert die „Philosophie der Freiheit“. Grundlage des Eingreifens in der Welt wird ein vom Erkennen geleitetes, schöpferisches Wollen, die „moralische Phantasie“.

Herbert Witzenmann hat in seinem Essay „Idee und Wirklichkeit einer Freien Hochschule“ eine zu entwickelnden Hochschulbildung gekennzeichnet: „Unsere Zivilisation ist unter der Herrschaft einer materialistischen Wissenschaft ganz auf Machtausübung hinorientiert. Das Machtprinzip als Zivilisationsprinzip bedeutet den Einsatz aller geistigen Fähigkeiten für den Leib und seine Bedürfnisse, für eine diese Bedürfnisse befriedigende Zivilisation.“ In Wirklichkeit ist aber „der Mensch im ganzen Umfang seines Wesens nicht ein Geschöpf des Eindrucks, sondern ein Schöpfer des Ausdrucks. Alle Wissenschaften vom Menschen müssen daher ästhetische sein.“ „Eine Hochschule, die ihre Forschung und Lehre im Sinne der drei Formen der Menschlichkeit (des Leibesmenschen, Freiheits- und Liebesmenschen und des Geistesmenschen) orientiert, ist eine Freie Hochschule.“



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