Ostertagung


Dortmund, 3.4. – 8.4.2020

Liebe Freunde,

angesichts der „Corona-Lage“ in NRW wurde die Ostertagung von den
Betreibern des Hauses in Dortmund abgesagt. Wir werden also das erste
Mal seit Jahren ohne Ostertagung die Ostertage begehen. Die Tagung soll
wie ursprünglich für jetzt geplant in den Sommermonaten stattfinden,
Näheres dazu werden wir erfahren, wenn die Dinge ausgereift sein werden.

Liebe Grüße und allen eine gute Gesundheit!
Lena Zipperle

Novalis Hochschulverein in Zusammenarbeit mit fakt 21 und der Anthroposophischen Gesellschaft NRW
Pädagogisch-Soziales Zentrum, Mergelteichstr. 47, Dortmund
Stoffregen-Saal, Hermann-Keiner-Haus



Das rosenkreuzerische Christentum und die Idee der Dreigliederung

Der Zeitpunkt war um das Jahr 1250. Ein Dreizehnter trat in die Mitte der Zwölf. „Er war eine Individualität, die inkarniert gewesen war zur Zeit des Mysteriums von Golgatha. Er hatte in darauffolgenden Inkarnationen durch ein demütiges Gemüt, durch ein inbrünstiges, gottergebenes Leben sich für seine Mission vorbereitet“. Eine neue Bewusstseinslage entstand, indem er, was die zwölf ihm zuströmten, in sich aufnahm. „Man kann sich am besten die Zwölf in einem Kreis um den Dreizehnten vorstellen. Dieser Zustand (von dem vorher gesprochen wurde) endete damit, dass die Seele dieses Dreizehnten erwachte wie eine neue Seele. Eine große Umwandlung seiner Seele hatte er erlebt. Es war in ihr etwas vorhanden wie eine ganz neue Geburt der zwölf Weisheiten … Wie von Christus selbst gegeben war diese neue Form. Was er ihnen da offenbarte, das nannten die Zwölf das wahre Christentum, die Synthesis aller Religionen.“

Das rosenkreuzerische Christentum und die Idee der Dreigliederung

Das Paulinische Christentum geht auf ein Erlebnis zurück, das Paulus vor Damaskus als Bestätigung des geschehenen Mysteriums von Golgatha erfuhr. Das Johanneische Christentum auf die Zeugenschaft des Lazarus, der als Lazarus-Johannes das nach ihm benannte, das Heilsgeschehen erzählende Evangelium verfasste. Was aber ist das Rosenkreuzerische Christentum?

Im Gegensatz zu dem, was man allgemein weiß, ist das Christusereignis von großen Individualitäten begleitet, die ihrerseits eine Reihe bedeutsamer Inkarnationen vorzuweisen haben. Der als Johannes der Täufer bekannte Vorverkünder war zuvor als Elias und nach Golgatha als Raffael und Novalis inkarniert. Jesus selbst, nicht der Christus, sondern der salomonische Jesus, reicht, bis bei der Jordan-Taufe der Christusgeist in seine Leibeshüllen einzog, in einer Reihe von Inkarnationen bis zu Zarathustra hinauf. Und Lazarus, der spätere Lazarus-Johannes war zuvor als das Christusgeschehen vorbereitender Geist als Jeshu Ben Pandira tätig und noch zuvor als Hiram Abiff, der Baumeister König Salomos. Es sind also eigentlich drei Individualitäten, aber wir kennen sie aufgrund ihrer uns durch Rudolf Steiner vermittelten verschiedenen Inkarnationen unter verschiedenen Namen.

Der Dreizehnte starb bald, wurde aber nach verhältnismäßig kurzer Zeit in der Mitte des vierzehnten Jahrhundert wiederum geboren und lebte nun sehr lange; mehr als hundert Jahre. „Alle Kräfte des wunderbaren Ätherleibes der Individualität des dreizehnten Jahrhunderts waren intakt geblieben, und nichts ging nach dem Tode in den allgemeinen Weltenäther über. Dieses war ein bleibender Ätherleib, der seither intakt blieb in den Äthersphären. Dieser selbe feingeistige Ätherleib durchleuchtete und durchstrahle wieder von der geistigen Welt aus die neue Verkörperung. … Daher wurde er getrieben, das Ereignis von Damaskus [das er zuvor schon, wie Paulus erlebt hatte] noch einmal zu erleben. Es ist dies die Individualität des Christian Rosenkreuz.“

Gegenüber dem Quantitativen, das uns verwirrt, ist aber die Eigenart, unter der sie den Christusimpuls fördern, hilfreich. Und dabei ist jene Individualität, die wir unter Lazarus-Johannes uns einprägen, jener eigenartige Geist, der in späteren Jahrhunderten eine weitere Initiation erfährt, die ihn zu Christian Rosenkreuz werden läßt. Seine Mission ist, nach jener die Vergangenheit betreffenden des Täufers und jene die Gegenwart kennzeichnenden des Salomonischen Jesus nach Rudolf Steiner, zunächst die Vorbereitung der neuen Christuserfahrung im Ätherischen, einer über der Physischen Wirklichkeit liegenden Daseinsebene.

Mit ihm hängt das neue Hellsehen in der Menschheit zusammen; die Tatsache, dass in Zukunft immer mehr Menschen den Christus im Ätherischen erleben werden. Und die Menschen müssen die Schulung des Christian Rosenkreuz befolgen (z.B. in der Theosophie des Rosenkreuzers), und sie müssen auf seine Berufung achten, denn Christian Rosenkreuz beruft in eigenartiger Weise selbst seine Schüler.

Ostertagung

Bei der Art des Zusammenwirkens dieser Geister ist die Beziehung, in der sie zueinander stehen, ein Ineinandergreifen ihrer Impulse und nicht ein Mehr oder Weniger bedeutsam. „An einem Ort in Europa, von dem noch nicht geredet werden darf [so Rudolf Steiner] , fanden sich diese zwölf Männer zusammen, welche die Summe des ganzen geistigen Wissens ihrer Zeit darstellten und die zwölf Geistesrichtungen vertraten.“

Die Tagung zu Ostern 2020 wird auf die von Rudolf Steiner vermittelten Grundlagen der Erkenntnis des Rosenkreuzerischen Christentums eingehen, wie er es in zwei Vorträgen in Neuchâtel am 27. Und 28. September 1911 dargelegt hat. Die dem Denken, den Gemütsbewegungen und dem Willen geltenden Bemühungen werden ebenso besprochen wie die im Zusammenhang mit Christian Rosenkreuz berichteten Berufungserlebnisse.

Dr. Klaus Hartmann